Der
Igel existiert schon seit 20 Millionen Jahren. Seine Strategie,
sich einzuigeln und sich mit seinem graubraunen Stachelkleid
zu tarnen, war bisher außerordentlich erfolgreich. Ein
ausgewachsener Igel hat ca. 8000 Stacheln, wird bis zu 25
Cm lang und ist etwa 700 bis 1200 Gramm schwer. Die Lebenserwartung
dieser possierlichen Insektenfresser liegt bei zwei bis vier
Jahren.
Igel
sind nachtaktive Einzelgänger und benötigen ein
Revier in der Größe eines halben Fußballfeldes,
um genügend Nahrung zu finden. Igel sind fleißige
Insektenvertilger, und helfen, unseren Garten von Schnecken,
Raupen und Käfern freizuhalten.
Igel kommen immer mehr in menschlichen Siedlungen vor, da
die Nahrungssituation durch die mechanisierte landwirtschaftliche
Bewirtschaftung dem Igel vielerorts die Lebensgrundlagen auf
dem Land entzogen hat. Hauptfeinde der Igel sind nicht mehr
Eulen, Marder und Füchse, sondern der Mensch, der durch
Ausbringung von Pestiziden und Chemikalien die empfindlichen
Igel dezimiert. Ferner werden jedes Jahr hunderttausende von
Igeln von Autos überfahren.
Der
Igel hält sich am liebsten in Verstecken wie Holzstapel,
Reisighaufen, Stroh, Laub und Kompost, Baumwurzeln, Pflanzendickichte,
Scheunen und Schuppen auf. Dort sucht er auch ein frostsicheres
Lager für die kalte Jahreszeit.
Es kann dem Igel also am Besten geholfen werden, wenn ihr
Lebensraum in den Gärten und in der freien Landschaft
gesichert und verbessert wird.
Maßnahmen
für einen igelfreundlichen Garten:
1. Verwenden Sie keine Pflanzenschutzmittel in ihrem Garten.
2. Achten sie auf eine abwechslungsreiche Bepflanzung (Wiese,
Wildhecke, heimische Gehölze und Wildkräuter)
3. Belassen Sie verwilderte Ecken in ihrem Garten, oder richten
sie diese ein, falls sie noch nicht vorhanden sein sollten.
4. Legen sie Holzhaufen, Reisighaufen und Laubhaufen so an,
dass Igel darunter ausreichend Hohlräume für ihr
Versteck und für die Überwinterung finden.
5. Brennen Sie keine Reisighaufen ab
6. Achten Sie beim Mähen, sowie beim Einbringen des Kompostes
auf Igel
7. Lassen Sie das Laub im Herbst unter den Bäumen und
Sträuchern liegen. Für den Igel ist das Laub absolut
lebensnotwendig: im Winter dient es ihm zum Schutz seines
Überwinterungsplatzes - im Sommer durch das reiche Angebot
an Kleinlebewesen als Nahrungsquelle. Das Laub dient außerdem
als Kälteschutz für die Wurzeln der Bäume und
Sträucher.
Da
Igel unter Schutz stehen, dürfen sie grundsätzlich
nicht eingesammelt und im Haus gehalten werden. Nur während
der Wintermonate ist eine vorübergehende Aufnahme zulässig,
wenn der Igel unter 500 Gr. wiegt. Während dieser Zeit
muss eine artgerechte, fachkundige und medizinische Betreuung
gewährleistet sein.
Kriterien
für Hilfsbedürftigkeit sind:
1. Kranke Igel: Man erkennt sie meist daran, dass sie tagsüber
herumlaufen- oder torkeln oder- liegen. Sie sind oft apathisch
kühl, rollen sich kaum ein und sind häufig mager.
Schultern und Hüftknochen sind deutlich erkennbar. Die
Augen sind nicht rund, sondern schlitzförmig und eingefallen.
Tagaktivität ist beim Igel immer ein Alarmzeichen.
2. Verletzte und geschwächte Igel, die womöglich
tagelang ohne Futter und Wasser in Lichtschächten, leeren
Schwimmbecken oder ähnlichem gefangen waren.
3. Verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb
des Nestes aufhalten, geschlossene Augen und Ohren haben und
ggf. unterkühlt sind.
Erste
Hilfe Checkliste:
1. Notieren Sie sich das Funddatum, die ungefähre Uhrzeit,
Gewicht und die Fundstelle.
2. Auf jeden Fall sollten sie den Igel auf Verletzungen untersuchen.
3. Wärmen Sie unterkühlte Igel auf. Eine Unterkühlung
ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich
kühler als ihre Hand anfühlt. Tip: Füllen sie
eine Gummiwärmflasche mit handwarmem Wasser, umwickeln
sie diese mit einem Frotteehandtuch, und legen sie in einen
passenden, hochwandigen Karton. Legen Sie den Igel darauf,
und decken ihn dann mit einem weiteren Handtuch zu.
4. Auf keinen Fall den Igel baden ! Ungeziefer, wie Flöhe
und Zecken vom Tierarzt entfernen lassen.
5. Suchen Sie den Tierarzt möglich bald auf, wenn Sie
den Igel über Winter selbst beherbergen wollen.
6. Richten Sie in einem Raum mit Zimmertemperatur (nicht im
Freien !!!) einen Auslauf für den Igel her. Käfige,
Obstkisten, Badewannen oder Waschwannen sind keine igelgemäßen
Unterkünfte.
7. Geben Sie Ihrem Igel zur Erstversorgung entweder eine kleine
Schüssel mit Katzen- oder Hundedosenfutter oder braten
Sie ihm in der einer Pfanne ein Rührei mit etwas Öl
und ohne Gewürze. Geben Sie ihm nur Wasser zu trinken,
niemals Milch!
Igel fressen kein Obst oder Gemüse.
Unterbringung:
Als wärmeliebende Tiere vertragen Igel keine anhaltende
Kälte oder Feuchtigkeit. Gut gewählt ist ein zugfreier,
belüftbarer, ruhiger Raum mit einer Temperatur von etwa
18 Grad Celsius.
Igel sind Einzelgänger d.h. jeder Igel benötigt
ein eigenes Gehege.
Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut
ausbruchsicher sein. Hierzu soll die Höhe der Seitenwände
ca. 45 bis 50 cm betragen. Spanplatten sind dafür ideal
geeignet. Das Gehege sollte auch einen eigenen Boden haben.
Den Boden stattet man mit mehreren Lagen Zeitungspapier aus,
die man täglich wechseln muss !!!
Auf keinen Fall Sägemehl, Torf oder Katzenstreu verwenden.
Als Schlafhäuschen ist ein kleiner Karton mit ca. 30
cm Kantenlänge geeignet. Das Schlafhäuschen wird
mit zerrissenem Zeitungspapier gefüllt, dass man bei
Verschmutzung austauscht. Zur Versorgung des Igels kommen
noch jeweils ein Wassernapf und ein Futternapf, die täglich
überprüft, und bei Bedarf sauber gemacht werden.
Igelfutter:
Füttern sie nur einmal täglich, und zwar abends.
Nur, wenn auch tagsüber ein Igel hungrig herumlaufen
sollte, können sie ihm etwas zu essen geben. Futterreste
müssen weggeworfen, und die Futternäpfe täglich
heiß gespült werden. Um die Gewichtszunahme zu
kontrollieren, ist es nötig, den Igel täglich, später
nur noch wöchentlich zu wiegen. Als Igelfutter ist geeignet:
Katzen- oder Hundedosenfutter
Eier (hartgekocht oder als Rührei)
Gekochtes Geflügelfleisch
Rohes, frisches Rinderhackfleisch
Als Ballaststoffe können Weizenkleie und Futterhaferflocken
mit eingemischt werden.
Winterschlaf:
Ende November ist der Igel bereit zum Winterschlaf. Er sollte
mindestens ein Gewicht von 500 Gramm haben, am besten 650
Gramm. Erreicht er dieses Gewicht erst kurz vor dem Wintereinbruch,
oder danach, dann sollte man bis zum Frühjahr warten,
ehe man ihn in die Freiheit entläßt.
Doch müssen sie auch einem gesunden Tier die Gelegenheit
zu einem Winterschlaf geben. Zu diesem Zweck stellen sie das
Gehege auf die Terrasse, oder auf den Balkon, oder sie bauen
ein Freihgehege im Garten. Kellerräume, sowie andere
Innenräume sind meist ungeeignet, da die Temperatur dort
zu hoch ist (über 6 Grad Celsius), und der Igel nur in
einen kräftezehrenden Dämmerschlaf fällt. Vermeiden
sie daher bei der Wahl des Gehegestandortes die direkte Sonneneinstrahlung
(Südseite).
Nachdem Sie den Igel in sein Gehege gebracht haben, füttern
sie ihn solange weiter, bis er das Futter nicht mehr annimmt.
Tip: Kleben sie ein Stück Toilettenpapier auf den Eingang
des Igelhäuschens. Somit können sie sofort erkennen,
ob der Igel das Haus zum Fressen verlassen hat.
Stellen Sie als Notration immer ein Schälchen Wasser
und ein kleines Schälchen mit Katzenfutter in das Gehege.
Um das Futter vor Katzen zu schützen empfiehlt sich der
Bau eines Futterhäuschens. Bei steigenden Temperaturen
kommt eine Unterbrechung des Winterschlafs hin und wieder
vor.
Auswilderung:
Igel wachen Ende März bis Mitte April auf, und müssen
dann wieder aufgefüttert werden. Er sollte dann ein Gewicht
erreichen, welches sein Einwinterungsgewicht übersteigt
(700-800 Gramm). Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn
im Frühjahr Sträucher und Hecken ergrünen.
Dann entfernen sei das Gehege, belassen aber das Schlafhaus
und die Futterstelle, bis der Igel beides ignoriert. Erst
danach entfernen sie auch das Schlafhaus und die Futterstelle.
Igelhaus:
Dieses
Igelhaus besteht aus Ziegelsteinen. Die Decke ist ein Holzbrett.
Zum Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit wird über
das Haus noch ein Humusgemisch
darübergehäuft ,und mit Grassoden abgedeckt. Der
Innenraum wird mit Stroh ausgepolstert. Der Eingang muss freigehalten
werden.
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